Monika Grütters – hilft sie? Sie hilft!

Die Frau der Stunde! Monika, ach Monika wo wären all die Solo Selbständigen jetzt – ohne Ihre Interventionen? Danke für Ihren Einsatz! 

Worum es geht? 

Vor 2 Tagen schrieb ich als indirekt betroffene Frau eines Künstlers einen Artikel zu den absolut praxisfernen Beantragungshürden der dringend benötigten Corona Nothilfen. Und jetzt endlich – nachdem sich Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin in den vergangenen Tagen mit an den Kabinettstisch setzen durfte, bewegt sich etwas!

Sie hat den Herren Altmaier und Scholz anscheinend deutlich machen können, dass das sture Festhalten an den fast unüberwindbaren Kriterien für die Beantragung der Nothilfen, für Millionen von verzweifelten Solo Selbständigen das komplette Aus in den kommenden Wochen bedeuten könnte. Sie hat aus der Praxis berichtet, sie hat den Herren dargelegt, wie es wirklich aussieht – dort draussen. Und so – wie ich nach jetzigem Informationsstand schließen darf, wurde ein Kompromiss entwickelt, der die Nöte und die nackte Existenzangst der zig Solo Selbständigen endlich ernst nimmt.

Sie hat Gehör gefunden, die Monika! Zumindest, wenn man den Worten der Berichterstattung trauen darf. Und wie sieht dieser Kompromiss aus? 

Praxisnah – das kann ich vorab schon einmal festhalten. Zwar soll die Beantragung immer noch über das gleiche Portal laufen, wie die ominösen Überbrückungshilfen; sprich, es geht nur mit einem beauftragten Dritten (wie schön unscheinbar formuliert). Allerdings – und jetzt folgt der kleine Zusatz: Beträgt die beantragte Summe nicht mehr als 5000 Euro, kann jeder Solo Selbständige selbst und in Eigenregie (unter besonderen Identifizierungs-Kriterien (welche – sind noch nicht bekannt) den Antrag stellen. Das ist doch mal ein Wort! 

Und ich wette: Die wenigsten werden überhaupt mehr als diese 5000 Euro an Umsatz gehabt haben im vergangenen Jahr. Der Betrag ist also gut gewählt – er wird sicher für 90 % der Solo Selbständigen an die 75% des Umsatz heranreichen, der im Nov. 2019 gemacht wurde. Das ist schon mal ein extremer Fortschritt. Und endlich dürfen die Solo Selbständigen diesen Betrag unter anderem auch dazu nutzen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Ja richtig gelesen! 

Das war nämlich bei den bisher bereitgestellten Überbrückungshilfen NICHT der Fall! Nur die betrieblichen Fixkosten (Atelier,-Telefon, Leasingkosten etc.) durften damit beglichen werden. Wie jedoch ein Solo Selbständiger sein täglich Brot finanzieren, seine Miete seine Krankenversicherung und die sonstigen privaten Kosten begleichen sollte, interessierte die Herren nicht im Geringsten. 

Und das ist die eigentliche Sensation, bei der Novemberhilfe: 

Erstmals dürfen diese 75 % vom November Vorjahresumsatz auch für die Lebenshaltung herangezogen werden. HALLELUJA! Das normalste auf der Welt eigentlich – aber was für ein Act – bis das mal bei den Herren vorgedrungen ist; dazu brauchte es fast schon einen Vorschlaghammer.

Denn für die Begleichung der privaten Lebenshaltungskosten blieb einem Solo Selbständigen nur der Gang zu Hartz IV was – euphemistisch– als Grundsicherung bezeichnet wurde. Die Anträge waren allerdings so kompliziert (unbürokratisch?-wo?), dass die meisten das Handtuch werfen mussten. Ich bin Diplom Betriebswirtin und habe mir die Anträge einmal ausgedruckt. Allein das Papier hätte für einen Roman gereicht! 

Geschenkt!

Was jedoch die eigentliche Zumutung war: Plötzlich fand sich ein eigenverantwortlicher, selbstbestimmter Solo Selbständiger als Hartz IV Empfänger wieder. Was das mit der Psyche macht, kann sich wohl jeder selbst ausdenken.

Doch von all dem drang nichts zu den Herren durch. Die Stimmen, die immer lauter wurden, überhörte man gerne. Gab es überhaupt ein Problem? Die Gelder wurden doch bereitgestellt –  wer sie nicht abrief war doch selbst schuld! Und so wurde mal wieder alles auf dem Rücken derjenigen ausgetragen, die dringend Hilfe benötigten. Aber wir wollen ja nicht nachtragend sein. Sollte sich dieser Kompromiss nicht als fauler Kompromiss entpuppen (und das hoffe ich wirklich sehr!), dann hätten die vielen, vielen verzweifelten Solo Selbständigen zumindest für November, eine Perspektive. 

Was aber noch lange nicht heißt, dass jetzt alles wunderbar ist. Denn, nach dem November kommt der Dezember und der Januar und der Februar. Was ist mit diesen Monaten?

Ja genau! So denken Selbständige nun mal. Sie müssen planen. Sie können sich nicht einfach entspannt zurücklehnen mit dem Wissen, dass jeden Monat regelmäßig ein Gehalt eingehen wird. Oder Kurzarbeitergeld. Die Rechnungen verschwinden ja nicht auf wundersame Weise im Dezember und all den nachfolgenden Monaten. Sie stehen pünktlich – jeden Monatsersten – vor der Tür.

Was mich aufregt, ist dieses ewige Auf Sicht Fahren – aber ohne planen zu können! Und so geht es den meisten Selbständigen: Sie sind auf die Ausübung ihrer Selbständigkeit angewiesen, anders als ein Angestellter, der nicht sofort am Hungertuch nagen muss, wenn der Arbeitgeber ihn nach Hause schickt.

Jederzeit könnte der Lockdown wieder verhängt werden. Und das bewirkt eine permanente Existenzangst!

Können wir auch im Dezember auf Hilfen hoffen, falls uns die Ausübung unserer Selbständigkeit auch im Dezember verboten wird? Im Januar? Februar? …. COVID-19 kennt keine Monate. Ich hoffe sehr, dass sich die Regierung auch über den Monat November hinaus Gedanken gemacht hat, wie es mit den Regelungen der nachfolgenden Monaten aussehen kann. Gerne kann das Konzept auch auf die kommenden Monate ausgeweitet werden.

Denn es ist klar: Solange es den Solo Selbständigen verboten wird, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, solange sind sie darauf angewiesen, zumindest einen Teilausgleich zu erhalten!

So funktioniert es doch auch bei den Angestellten und der Kurzarbeit. Warum ist es dann so schwer, eine Lösung auch für diejenigen zu finden, die tagtäglich ein immenses existenzielles Risiko auf sich nehmen, indem sie mutig und unabhängig voranschreiten und mit ihrer Kunst die kulturelle Landschaft bereichern und eigenverantwortlich für ihren Lebensunterhalt sorgen?

Es darf nicht sein, dass genau diese Menschen für ihren Mut bestraft werden!

Dieser erzielte Kompromiss ist schon mal ein Anfang und ich hoffe sehr, dass wir nicht ein weiteres Mal desillusioniert werden. Wie die Beantragung in der Praxis ablaufen wird – werden wir erst noch sehen. Auch wird ganz sicher, sobald es möglich ist, jeder dieser Verzweifelten so schnell wie möglich versuchen, die Hilfen zu beantragen. Was das für die Server bedeutet, dürfte jedem klar sein: Überlastung und Absturz. Und das wird sich nicht in einem, auch nicht in zwei oder drei Tagen auflösen.

Mein Tipp? Mit viel Glück werden die Novemberhilfen noch vor Weihnachten eingehen. Aber wir wollen auch nicht undankbar sein – wir behelfen uns eben so, wie wir es bereits die gesamten 7 Monate gehalten haben: 

Mit Unterstützung unserer Familien, mit Fleiß und Kreativität hangeln wir uns von einem Monat zum anderen und freuen uns über jeden Monat, den uns das Virus und die Regierung erlaubt, in Eigenverantwortung und unerschütterlichem Engagement der eigenen Selbständigkeit nachzugehen.

Hauptsache wir werden nicht wieder allein gelassen, denn:

Wir sind systemrelevant!

Lassen wir es nicht soweit kommen, diese Tatsache erst dann zu bemerken, wenn die Kultur gestorben und es für hilfreiche, praxisnahe Maßnahmen zu spät ist.

Maria Kelzenberg – Betroffene –

2 Kommentare

  • Zaharu Creutz

    Wieder ein sehr informativer Beitrag und eine Aussicht auf doch „unbürokratische“ Hilfe seitens der Regierung DANK Monika Grütters!
    Ich werde dieses Thema weiterverfolgen und hoffe von Herzen für alle Solo Selbstständigen, dass die versprochenen Hilfen zeitnah kommen und sie ihre Selbstständigkeit auch in Zukunft weiter ausüben können und keiner das Handtuch werfen muss, weil sie alleine gelassen werden!!!!!

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