Corona und die Familie Robinson

Seit einigen Wochen sind wir Disney Channel Abonnenten. Corona ist schuld. Netflix hatte ich kurz vor Corona gekündigt. Da kam Corona noch nicht in jedem 2 Wort vor. Der Disney Channel stand gar nicht zur Disposition. Jetzt schon. Ich glaube, Disney hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für den Start in den deutschen Markt aussuchen können. Dank Corona, hat Disney nun einen Abonnenten mehr. Und gestern war Familie Robinson dran.

Das Paradies

Ja – angelehnt an den Klassiker, geht es hier um eine komplette Familie, die auf einer Insel strandet. Sie bauen sich dort nach und nach ein kleines Paradies: Mit Baumhäusern (jedes Kind hat sein eigenes Baumhauszimmer), persönlichem Wasserfallpool und eigenen Feiertagsspielen. Eine Mikrogesellschaft, die, auf sich allein gestellt, zu allerhand Kreativiätexplosionen fähig ist. Im großen und Ganzen lebt diese Familie ziemlich glücklich auf dieser Insel. Jedoch merkt  sie nichts von ihrem Glück. Zumindest empfindet sie es zu diesem Zeitpunkt noch nicht so.

Gestrandet

Ganz im Gegenteil: Gerade Mama Robinson hadert sehr mit ihrem Schicksal, auf der Insel gestrandet zu sein. Geflüchtet aus der Schweiz, um in Neuguinea eine neue Kolonie zu gründen ( der Film spielt wohl in den 1870 Jahren) erkennt die Familie erst nach und nach, dass sie ihr Glück bereits auf dieser Insel gefunden hat. Sie müssen nicht mehr weg. Sie haben hier alles was sie für ihr Glück brauchen. Unweigerlich kommt mir Corona in den Sinn. Wir leben gerade auch mehr oder weniger gestrandet in unseren Häusern oder Wohnungen. Wir müssen uns mit allerhand Zeug beschäftigen, für das wir in normalen Zeiten, keine Zeit haben. Zurückgeworfen auf uns selbst und den nackten Tag, dringt so nach und nach immer mehr durch, was relevant ist im Leben und was nicht.

Konsumstoptaste

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die 20 ste Hose oder das 100 ste Paar Schuhe sicher nicht zu einem langanhaltendem Zufriedenheitsgefühl führen. Wir wissen es ja auch schon seit langem, aber bisher hatte es keiner geschafft, die globale Konsum-Stoptaste zu drücken. Bis Corona kam. Jetzt können wir zwar von zu Hause aus konsumieren, doch beschleicht mich der Verdacht, dass die Lust dazu in vielen Haushalten doch eher gering ist. Was nützt es auch, sich teuer einzukleiden, wenn man die Klamotten nicht ausführen und zeigen kann? Casual Look ist jetzt angesagt. Leger und locker.

Das ist der neue Look, Und dafür braucht man nicht viel. Und vor allem auch nichts teures. Für den Hyperkapitalismus sind das keine gute Nachrichten. Für die Psyche des Einzelnen ganz sicher. Die Familie Robinson hat es vorgemacht: Alles was wir brauchen, haben wir direkt vor der Nase: Wir müssen nicht in die Ferne schweifen, um das gute Leben zu finden. Es ist direkt vor Deinen Augen. Du musst nur wahrnehmen. Und jetzt, da die Welt endlich eine zwangsverordnete Verschnaufpause eingelegt hat, ist die Gelegenheit einmalig, zu essentiellen Gedanken zu gelangen.

Direkt vor der Nase

Vieles kommt einem plötzlich nicht mehr wichtig vor, was vielleicht vor Coronazeiten noch den 1.Platz in der eigenen Gedankenwelt eingenommen hat.  Ob es der Job oder die ganze Lebensweise ist, die vielleicht zur Disposition steht; das Coronavirus macht etwas mit uns. Es zwingt uns zu erkennen. Zu erkennen, was wirklich wichtig ist und was nicht. Erst wenn wir mit dem Schicksal konfrontiert werden, fangen wir an zu denken. Wirklich zu denken. Wie die Familie Robinson. Sie hatte das Glück auf der Insel die ganze Zeit vor der Nase, aber erst am Ende, als sie gefunden wurden und die Möglichkeit hatten, jetzt endlich nach Neuguinea auszuwandern, erkannten sie, dass sie schon alles hatten, was sie wollten.

Wer zahlt – bestimmt??

Und so ließen sie sich nicht retten, sondern erkannten, dass sie längst gerettet sind. Obwohl nicht freiwillig auf dieser Insel gestrandet, haben sie am Ende erkannt und die Insel als das angenommen was sie ist: Das Paradies. Viele Parallelen drängen sich somit zu heute auf: Wir erkennen oft unser Glück nicht, auch wenn wir es schon bei uns haben. Wir streben zu oft nach Dingen, die wir gar nicht brauchen. Wir gaukeln uns zu oft vor, dass wir nur glücklich sein können, je mehr Besitz wir anhäufen. Wir glauben nur etwas wert zu sein, wenn wir leisten. Und wir leisten nicht um unserer selbst Willen, sondern für den, der uns bezahlt. Das ist für die Seele nicht gut.

Das Hirn umgestalten

Jetzt haben wir die einmalige Gelegenheit, genau wie die Familie Robinson, in beiden Fällen zwar unfreiwillig in diese Situation geraten, dennoch dadurch verkrustete verquere Vorstellungen von einem vermeintlich guten Leben, neu zu überdenken. Und vielleicht zu erkennen, dass wir vieles von einem guten Leben schon längst bei uns haben. Wir haben nur keine Zeit und keine Muße, diese Gedanken zu Ende zu denken. Jetzt haben wir die Zeit und auch die Muße. Auch wenn die Zeiten schwierig sind, braucht es nicht viel um ein Leben zu führen, dass Selbstwirksamkeit und das Selbstwertgefühl fördert. Vielleicht hast Du jetzt endlich die Zeit, um Deine Wohnung, deinen Balkon, Deinen Garten, Dein Haus, Dein Hirn zu gestalten.

Mit guten Taten und guten Gedanken. Dazu braucht es nicht immer Geld. Es reicht schon, durch die Gegend zu fahren ( man hat ja jetzt Zeit) sich auf dem Sperrmüll umzuschauen und die tollsten Dinge zu entdecken, die man zu Hause wundervoll restaurieren kann. Das macht stolz und kostet kein Geld. Ich habe es so gemacht und ich kann es jedem nur empfehlen: Es ist Balsam für die Seele und das Ergebnis ist sensationell: Ich fühle mich bestätigt und bin stolz auf meine Kreativität. Und das wiederum verschafft mir eine Zufriedenheit , die ich mir auch mit dem x-ten Paar Schuhe nicht hätte holen können.

„Mein Schaaaatz“

Jede und Jeder hat einen Schatz in sich: Der eine kommt vielleicht jetzt endlich zum Singen, der andere zum Schreiben. Der nächste wird zum Top Gestalter seines eigenen Gartens oder sogar seines Lebens? Es gibt unendlich viel, was wir in uns entdecken können; die wahren Schätze in uns warten gehoben zu werden. Schon das ganze Leben lang. 

Ich freu mich, wenn ich Dich heute auf Deiner Schatzsuche mit meinen Worten begleiten kann und wünsche Dir die wunderbarsten Entdeckungen.

© Marielosophie

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