Das Ich gibt es nur im Doppelpack

Das Ich existiert nur in Verbindung mit dem biologischen Körper. Das sagte Richard David Precht vor einigen Tagen. Und dieser Satz blieb an mir hängen. Meinen Traum konnte ich anhand dieser Aussage viel besser verstehen und deuten. Denn losgelöst vom Körper existiert das Ich nicht mehr; nur noch der Geist, der sich in Millionen von Molekülen verflüchtigt, sobald der Körper stirbt.  Materie verschwindet eben nicht, sie verteilt sich nur.

Aber nur durch unseren Körper erfahren wir uns; haben ein Bewusstsein für das eigene Ich. All diejenigen, die also behaupten, dass wir uns irgendwann in eine Maschine hochladen um dort auf ewig weiter zu existieren, haben anscheinend nicht begriffen, dass das so nicht funktionieren kann; denn es existiert dann nur noch das reine Bewusstsein ohne die Ankopplung an den Körper. Und das wiederum macht es unmöglich, sich als Ich zu erfahren in der Maschine. Aber das wäre doch eigentlich die perfekte Welt? Oder könnte sie sein. Kein Egoismus, kein Rassismus, kein Töten, keine Ideologien mehr. Nur noch das reine Bewusstsein ohne all die toxischen Gefühle eines verirrten Ichs. Das wär mal was.

Ursächlich betrachtet, existieren die ganzen Probleme auf der Welt doch nur, weil sich jeder als Individuum betrachtet und das eigene Ich voll ist mit falschen Vorstellungen, Erwartungen und Wünschen. Und diese wollen befriedigt und berücksichtigt werden. Wenn jeder also seine Vorstellungen, seinen Blick auf die Welt seine Erfahrungen in diese Welt trägt und das multipliziert mal 8 Milliarden, dann kommt das dabei heraus, was wir im Laufe der letzten Tausenden von Jahren immer wieder erfahren: Die Menschen schlachten sich ab, sie zerstören die Natur und machen weiter.

Macht ist nicht geil

Und dabei geht in den allermeisten Fällen nur um eins: Macht. Macht ist ein übler Zeitgenosse. Macht füttert das Ich. Macht macht das Ich größer, als es in Wirklichkeit ist. Macht haben wollen, verdeckt nur die Angst vor dem Tod. All diejenigen, die an ihrer Macht kleben haben doch in Wahrheit nur Angst vor dem Tod. Mit der Macht können sie dem Tod scheinbar ein Schnippchen schlagen. Doch keiner kann dem Tod davonrennen, Augen verschließen oder so tun, als wäre er nicht existent. Das Leugnen nützt nichts. Auch die Macht nützt nichts, die Unterdrückung, das Durchboxen der eigenen Interessen. Letztendlich sterben alle und kommen wieder in den gleichen Pott. Doch das zu erkennen, ist das Problem unserer Zeit. Stattdessen wird versucht, dem Tod den Mittelfinger zu zeigen indem daran herumgebastelt wird, wie man sein Hirn in eine Maschine hochladen kann, um von dort aus dem Tod eine lange Nase zu zeigen.

Das sind die schlimmsten Egomanen, die daran forschen. Denn für sie geht es um nichts anderes, als die eigene Macht zu erhalten, die sie erfasst hat. Sie wollen nicht akzeptieren, dass sie kein bisschen anders sind, als der ärmste Bettler auf der Strasse. Am Ende sind wir alle gleich, in dem Augenblick in dem das irdische Licht ausgeht für ein jeden von uns. In diesem Augenblick, wenn sich das Ich auflöst im Prozess des Todes, in diesem Augenblick zählt nichts mehr von dem, was das Ich im Leben erreicht aber auch vieles an Leid verursacht hat. Nichts von all dem bleibt.

Ja vielleicht (sehr wahrscheinlich sogar), überdauert ein Werk oder eine Erfindung einige Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte. Aber das wars dann auch. Und dann schweben nur noch die Moleküle durch Raum und Zeit. Aber diese können keinen Schaden mehr anrichten, denn sie sind glücklicherweise vom schädlichen Ich befreit. Nur noch die gigantische kumulative Energie existiert und das ist die eigentlich die Welt, wie ich sie mir wünsche: Ohne Leid, ohne den Egoismus der für so viel Elend verantwortlich ist.

Naiv aber …

Naiv- ich weiß, natürlich geht es so nicht. Aber das ist mir in diesem Fall gar nicht so wichtig. Mir ist wichtig, die Gründe hinter den Gründen zu erkennen und daraus mein Handeln besser zu verstehen und idealerweise daraufhin besser zu handeln. So zu handeln, dass es die Freiheit des Anderen nicht einschränkt, mein Ich sich nicht verrennt in falschen Vorstellungen; Ich einfach besser mit schwierigen Situationen umgehen kann. Das ist mein Weg. Bis er mich eines Tages an mein Ende führt und bis dahin wünsche ich mir ein ein kleines bisschen weniger Ich und viel mehr Wir. Aber auch das wird wohl nur eine weitere Wunschvorstellung bleiben. Doch ist es eine schöne Vorstellung und hat sie auch nur den Hauch einer Chance, Wirklichkeit zu werden, lohnt es sich, sich weiter auf diesem Pfad der Überlegungen und der Taten zu bewegen.

Vielleicht begegnet einem dann auch irgendwann die berühmte Gelassenheit, Dinge anzunehmen, auch wenn sie nicht unbedingt mit dem eigenen Ego konform gehen. Das ist die Kunst. Doch nicht jeden interessiert diese Kunst, das ist mir bewusst. Es ist auch nur mein Weg; eine Möglichkeit mit den Widrigkeiten des Lebens besser umzugehen. Am Ende werde ich vielleicht wissen, ob es mir gelungen ist. Wir werden sehen. Bis dahin bewege ich weiter auf dem Pfad, den ich für mich entdeckt habe und werde mich um Weisheit und Erkenntnis bemühen. So long…

© Marielosophie

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