{"id":82,"date":"2020-04-09T08:04:24","date_gmt":"2020-04-09T06:04:24","guid":{"rendered":"http:\/\/marielosophie.de\/?p=82"},"modified":"2020-04-10T12:07:04","modified_gmt":"2020-04-10T10:07:04","slug":"mjf-montreux-jazz-festival-und-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marielosophie.de\/?p=82","title":{"rendered":"Wie Dir das  Montreux Jazz Festival hilft, durch die Krise zu kommen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Vor einigen Tagen stie\u00df ich \u00fcber Steingarts Morning Briefing auf das Montreux Jazz Festival. Gabor berichtete \u00fcber dieses legend\u00e4re Jazz Festival, welches allj\u00e4hrlich in der Schweiz am Genfer See stattfindet. Nur nicht &#8211; <em>dieses<\/em> Jahr. Dieses Jahr ist eben alles anders. Jeder Bereich des Lebens, so wie wir es bisher gekannt haben, ist infiziert mit diesem Virus. Es zwingt uns Sachen auf, von denen wir uns niemals h\u00e4tten vorstellen k\u00f6nnen, derartige&nbsp; Beschneidungen unserer Freiheit einfach so hinzunehmen. Und doch sind wir ja offensichtlich sehr wohl in der Lage, uns umw\u00e4lzenden Ver\u00e4nderungen zu unterwerfen, wenn wir einen <em>Sinn<\/em> darin sehen. Allerdings leider erst auch, wenn wir mit dem R\u00fccken zur Wand stehen. Erst dann handeln wir. Aber immerhin, wir handeln.<\/p>\n\n\n\n<p> Zur\u00fcck zu Montreux. Dieses Jazz Festival ist deshalb so legend\u00e4r, weil legend\u00e4re Musikgr\u00f6\u00dfen dort auftreten. Jedoch treten sie nicht nur auf, sie offenbaren sich auf der B\u00fchne, so wie man das sonst nur selten erlebt. Einen Auftritt, hob Gabor Steingart besonders hervor: Nina Simone 1976 live in Montreux.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Auftritt hat mich umgehauen! Ich hatte vorher noch nie einen Blick auf dieses Festival geworfen, obwohl es bereits seit Jahrzehnten eine Institution auf der Welt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen derma\u00dfen emotionalen Auftritt einer K\u00fcnstlerin habe ich noch nicht zuvor gesehen. Selbst live nicht. Und das hier war <em>nur<\/em> aus der Konserve. Die Emotionen, diese Traurigkeit, dieser innige &#8211; aus dem tiefsten Innersten &#8211; kommende Sprechgesang, hat mehr in mir ausgel\u00f6st, als mir zu diesem Zeitpunkt richtig bewusst wurde. Erst jetzt, Tage sp\u00e4ter, merke ich, wie sehr mich dieses Video und ihr Auftritt ber\u00fchrt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur, dass sie eine begnadete S\u00e4ngerin ist, sie spielt auch noch unfassbar gut Klavier. Die Finger schienen die Tasten immer nur Millisekunden zu ber\u00fchren und schon flogen sie weiter. Es war unglaublich, ihr bei dieser Virtuosit\u00e4t zuzuschauen. Und dazu noch dieses Songs! Die von Liebe, Verlust, Traurigkeit und das gelebte Leben handeln. Jedes Wort, jeder Satz kam aus dem innersten ihres Ichs. Es traf mich mitten in meine Seele. Es ber\u00fchrte mich ungemein, diesem Gesang und diesem unglaublichen Klavierspiel zu folgen. Ein kleines YouTube Video, eine gro\u00dfe Wirkung. Warum ich dar\u00fcber schreibe? Weil ich in Zeiten ohne Corona, sicher nicht auf dieses Juwel gesto\u00dfen w\u00e4re. Die Organisatoren dieses Jazz Festivals, das seit 1967 ausgetragen wird, mussten dieses Jahr das Festival absagen. Die Gr\u00fcnde kennen wir alle zur Gen\u00fcge: Corona macht eben selbst vor Musiklegenden nicht halt.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen wurden auf der Website 50 Konzerte aus den vergangenen Jahrzehnten freigeschaltet. Und das kostenlos. Gr\u00f6\u00dfen wie Marvin Gaye, Ray Charles, David Bowie, Prince, Deep Purple, James Brown, Phil Collins und Nina Simone besuchen uns seitdem in unseren Wohnzimmern, wo wir einen gigantischen Musikgenuss erleben d\u00fcrfen. Eben weil wir drau\u00dfen nichts mehr erleben d\u00fcrfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier findest Du die 50 genialen Konzerte im streaming:<br><a href=\"https:\/\/www.montreuxjazzfestival.com\/de\/50-konzerte-im-streaming\/\">https:\/\/www.montreuxjazzfestival.com\/de\/50-konzerte-im-streaming\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>So kommt ein St\u00fcck Freiheit zu uns in die Wohnzimmer. Was alles m\u00f6glich ist in Zeiten von Corona &#8211; ich staune jeden Tag aufs Neue, wie anpassungsf\u00e4hig der Mensch ist. In den letzten Jahren ist uns diese kollektive Anpassung oder sch\u00f6ner ausgedr\u00fcckt: dieses Gemeinschaftsgef\u00fchl verloren gegangen. Denn vor der Krise wurschtelte jeder nur noch vor und f\u00fcr sich hin. Individualismus ist immer noch das Non Plus Ultra. An sich ist ja auch nichts Schlimmes dabei, aber es geht eben immer mehr zu Lasten des Miteinanders. Ich statt wir. In s\u00e4mtlichen Bereichen. Selbstoptimierung bis tief in den Freundeskreis hinein. Wer kann mir n\u00fctzlich sein, wer nicht? Knallhart wird bis zur Ersch\u00f6pfung optimiert. In s\u00e4mtlichen Bereichen. Selbst der eigene Schlaf ist davor nicht mehr sicher.<\/p>\n\n\n\n<p> In dieser Krise werden wir jedoch auf unser ureigenstes Gef\u00fchl zur\u00fcckgeworfen. N\u00e4mlich das Gef\u00fchl, dass <em>allein<\/em> wenig zu bewerkstelligen ist. Und Selbstoptimierung und ausschlie\u00dflich das eigene Ich an die oberste Stelle zu stellen, einen in diesen Krisenzeiten NULL weiter bringen. Wir brauchen ein Gemeinschaftsgef\u00fchl, eine Gemeinschaft und sei es nur im vertrautesten Kreis der Familie. Das gibt Halt und l\u00e4sst uns sp\u00fcren, dass wir nicht allein da stehen mit den Sorgen und \u00c4ngsten, die uns das Virus gerade vor die F\u00fc\u00dfe wirft. Selbst die Familie war in den letzten Jahren dem Selbstoptimierungswahn des Einzelnen mehr und mehr zum Opfer gefallen. Ein gro\u00dfer Prozentanteil der Kinder kennt nicht einmal das gemeinsame Abendessen am Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p> Jetzt ist endlich Zeit. Zeit, mit der Familie beisammen zu sein. Zeit, seine bisherigen Werte zu hinterfragen. Zeit, sich Gedanken zu machen, ob man sein Leben vor Corona, genau so wieder aufnehmen will. Oder ob diese Zwangspause uns nicht eher dabei hilft, zur Besinnung zu kommen und Wertevorstellungen zu revidieren oder neu zu beleben. Jeder sollte diese Zeit nutzen. Auch wenn die Umst\u00e4nde furchtbar sind. Aber ohne diese tragischen Ereignisse, w\u00e4ren wir sicher nicht da, wo wir jetzt gerade sind: Wir befinden uns <em>alle<\/em> in der gleichen Situation &#8211; auf der ganzen Welt! Das gab es vorher noch nie. Es gab immer die, die privilegiert waren und die, die es nicht waren. Das Virus macht jetzt deutlich, dass niemand besser oder schlechter ist, als man selbst. Das Virus unterscheidet nicht zwischen denen, die soviel Geld besitzen, dass allein die Betrachtung der Zahl einen schwindeln l\u00e4sst. Aber dem Virus ist es egal. Es macht vor Geld nicht halt. Auch nicht vor Armut. Jeder ist gleich. <\/p>\n\n\n\n<p>Und das wird uns in diesen Tagen bewusst. Es zeigt uns, was wesentlich ist und was nicht. Es l\u00e4sst uns zumindest einige Dinge im Leben hinterfragen. Und es hat etwas in Gang gesetzt, von dem ich mir von Herzen w\u00fcnsche, dass es auch nach der Coronakrise Bestand haben wird: Unsere Menschlichkeit zu bewahren, sie viel mehr zum Ausdruck zu bringen, als es bisher der Fall war. Kleine Gesten im Alltag, die auch einer Dir fremden Person zeigen: Hey, sch\u00f6n, dass Du da bist. Mit einem kleinen L\u00e4cheln, einer freundlichen Geste. Mehr braucht es nicht. Ein wenig Freude bereiten. So wie jetzt beim Montreux Jazz Festival. Die Musikperlen, die wir jetzt kostenlos genie\u00dfen d\u00fcrfen. So etwas w\u00e4re in Zeiten vor Corona undenkbar gewesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und die uns jetzt in dieser Zeit Freude bereiten. Einfach so. Ganz kostenlos. Und das geht im Kleinen wie im Gro\u00dfen. Jeder kann das. Wir haben ungeahnte Sch\u00e4tze in uns. In Krisenzeiten werden wir ihnen gewahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-luminous-vivid-amber-color\">Eure Marielosophie<\/p>\n\n\n\n<p>stay home, stay healthy<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen stie\u00df ich \u00fcber Steingarts Morning Briefing auf das Montreux Jazz Festival. Gabor berichtete \u00fcber dieses legend\u00e4re Jazz Festival, welches allj\u00e4hrlich in der Schweiz am Genfer See stattfindet. Nur nicht &#8211; dieses Jahr. Dieses Jahr ist eben alles anders.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[7,17,16],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82"}],"collection":[{"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=82"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89,"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82\/revisions\/89"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=82"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=82"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/marielosophie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=82"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}