{"id":284,"date":"2021-01-15T15:16:28","date_gmt":"2021-01-15T14:16:28","guid":{"rendered":"http:\/\/marielosophie.de\/?p=284"},"modified":"2021-01-15T15:16:28","modified_gmt":"2021-01-15T14:16:28","slug":"dunkelorte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marielosophie.de\/?p=284","title":{"rendered":"Dunkelorte"},"content":{"rendered":"\n<p>In Neuseeland gibt es Orte, die sich Dunkelorte nennen. Genau genommen sind es besondere Lichtschutzgebiete, an denen man den Sternenhimmel besonders gut mit blo\u00dfem Auge beobachten kann. Es muss ein Wahnsinns Erlebnis sein, die Milchstra\u00dfe so klar sehen zu k\u00f6nnen, die Milliarden \u00fcber Milliarden Lichtjahre entfernt ist. Diese Orte sind magische Flecken auf unserer Erde. <\/p>\n\n\n\n<p>Demut und vielleicht auch Erkenntnis macht sich an diesen besonderen Orten breit. Der Mensch als Krone der Sch\u00f6pfung k\u00e4me einem hier nicht unbedingt sofort in den Sinn. Ich war leider noch nie an diesen Orten. Ich h\u00f6rte nur gestern davon. Und war hingerissen, von der M\u00f6glichkeit, die Milchstra\u00dfe mit blo\u00dfem Auge betrachten zu k\u00f6nnen. Es r\u00fcckt uns Menschen auf den richtigen Platz. <em>Wenn<\/em> man bereit ist, <em>sich<\/em> eher als unbedeutend zu betrachten &#8211; oder als Teil dieses Ganzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich spekuliere nur, denn selbst habe ich die Erfahrung noch nicht machen k\u00f6nnen. Aber ich stelle es mir so vor. Unseren Platz, der sich nicht nur auf die Winzigkeit eines Menschenlebens runterbrechen l\u00e4sst, sondern im Geflecht des vor Milliarden von Jahren entstandenen Universums; bei dem zuf\u00e4llig ein Planet namens Erde entstand. <em>Zufall<\/em>, alles ist Zufall. Ich schrieb vor einigen Tagen dar\u00fcber. Bricht man den Zufall nicht nur auf das eigene Leben runter, sondern weitet den Zeitblick, erkennt man die Bedeutung des Zufalls auch auf einer kosmischen Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Der Zufall ist der eigentlich rote Faden, der sich \u00fcber Milliarden von Jahren durch die Entstehungsgeschichte zieht. <\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Zufall m\u00f6gen wir als Spezies jedoch nicht so gerne.&nbsp; F\u00fchrt er uns doch vor Augen, dass wir unser Leben nicht wirklich steuern k\u00f6nnen, zumindest nicht langfristig. Der Zufall &#8211; man k\u00f6nnte auch sagen, das Gl\u00fcck oder Pech &#8211; kommt einem im Laufe des Lebens immer wieder in die Quere. Doch wir blenden diese Tatsache gerne aus, denn das bedeutet, dass wir nichts wirklich und wahrhaftig in der Hand haben, sondern ein Spielball des Zufalls sind. Ich h\u00f6re schon die entr\u00fcsteten Aufschreie.<\/p>\n\n\n\n<p> Na klar, ich gebe auch nicht gerne zu, dass mein Leben nicht von mir gesteuert wurde, sondern dass ich ganz allein Einfluss darauf hatte. Oberfl\u00e4chlich scheint das so zu sein. Doch je mehr ich nachdenke und je mehr Lebensjahre hinter mir liegen, desto deutlicher wird mir die Unberechenbarkeit des Lebens vorgef\u00fchrt. Es w\u00e4re also f\u00fcr mein Seelenheil von Vorteil, wenn ich nicht <em>erwarte<\/em>, dass das Leben <em>so<\/em> und <em>so<\/em> auszusehen hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss den Zufall immer mit ber\u00fccksichtigen. Den Zufall, der mir hilft, der mich aber auch bei der Durchf\u00fchrung eines bestimmten Lebensplan hindert. Keine sch\u00f6ne Erkenntnis. Aber was hilft es, die Augen davor zu verschlie\u00dfen? Je weniger ich mich dranh\u00e4nge an bestimmte Erwartungen, desto freier bin ich. Ist das so? Ich wei\u00df es nicht wirklich&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche nur Erkenntnisse f\u00fcr mich zu schaffen, die mir helfen, das Leben <em>nicht<\/em> als Affront gegen bestimmte W\u00fcnsche und Vorstellungen die ich habe zu begreifen, sondern einfach als das Leben. Gelingt mir das? Leidlich. Ich falle oft in jene Schleife des Bedauerns zur\u00fcck. Doch ich mache Fortschritte. Etwas \u00e4ndert sich im <em>Gef\u00fchl<\/em>. Das Bedauern ist nicht mehr allm\u00e4chtig. Es poppt auf, aber es kann mich nicht mehr so einnehmen, wie noch vor einigen Jahren. Ich akzeptiere, dass sich der Zufall eben mal im Kleid des Gl\u00fccks oder in der Fratze des Pechs zeigt. Es ist nichts pers\u00f6nliches. Es ist einfach nur &#8211; <em>Zufall<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Ob etwas gelingt h\u00e4ngt eben nicht nur von einem selbst ab, sondern von zig weiteren Faktoren, die wir <em>nicht<\/em> beeinflussen k\u00f6nnen. Eben weil wir nicht losgel\u00f6st von anderen agieren auch nicht von der Umwelt. Wir k\u00f6nnen uns nicht l\u00f6sen aus der Umwelt, als ginge uns die Zerst\u00f6rung dieser nichts an. Sie ist unser Habitat &#8211; und ob wir wollen oder nicht, wir sind nur ein Teil dessen. Nicht dessen Herrscher und schon gar nicht dessen Kr\u00f6nung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Demut tut gut, sie r\u00fcckt Perspektiven gerade. Sie stellt sie an den richtigen Platz.<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Demut haben wir nicht wirklich viel zu tun. Daf\u00fcr sind wir zu egoistisch. In den meisten F\u00e4llen. Demut kommt nicht wirklich t\u00e4glich bei uns vor. Wann warst Du das letzte Mal wirklich dem\u00fctig? Solltest Du lange dar\u00fcber nachdenken m\u00fcssen, hast Du schon die Antwort. Demut ist kein Alltagsbegleiter in unserer heutigen Gesellschaft. In dieser geht es nur um Effizienz und das immer <em>Mehr<\/em> und <em>Mehr<\/em>. Demut hat in einem kapitalistischen System keinen Platz. Ganz einfach! Und wir akzeptieren die Bedingungen dieses krank machenden Systems &#8211; ohne wirklich zu hinterfragen, ob es nicht auch anders ginge. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich will kein Fass aufmachen, denn es ginge tats\u00e4chlich auch anders. Aber in den letzten 100 Jahren &#8211; mit Beginn der industriellen Revolution &#8211; hat sich dieses ausbeuterische kapitalistische System ordentlich breit gemacht in unseren K\u00f6pfen. Es hat sich festzementiert als alternativlos, so dass jeder der Alternativen pr\u00e4sentiert wie es gerechter und besser zugehen k\u00f6nnte, wie Thomas Piketty oder auch Precht, nicht wirklich Geh\u00f6r finden bei den Entscheidern. Es ist nicht gewollt, dass sich an diesem System etwas \u00e4ndert. Die Entscheider h\u00e4ngen an der Macht und das schon seit Hunderten von Jahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Nur die Bezeichnungen \u00e4ndern sich im Laufe der Zeit. War es fr\u00fcher der Adel, sind es heute die Superreichen, die bestimmen. Doch wie gesagt, ich will dieses Fass jetzt nicht weiter \u00f6ffnen, denn dann schreibe ich die n\u00e4chsten Jahre \u00fcber nichts anderes. Und das spare ich mir noch ein wenig auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber halten wir doch den Begriff der Demut noch ein wenig in Gedanken. Tragen wir ihn in den Tag; lassen ihn zu unserem Begleiter werden. Und sp\u00fcren, was eventuell passiert. Mit uns. Mit einem selbst. Vielleicht \u00e4ndern sich nur Nuancen. Aber jede noch so kleine Ver\u00e4nderung kann am Ende eine Gro\u00dfe werden. Geben wir der Demut eine Chance und lassen sie zu unserem <em>Weisen<\/em> in unserem <em>Innern<\/em> werden. Ein sch\u00f6ner Gedanke\u2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Neuseeland gibt es Orte, die sich Dunkelorte nennen. Genau genommen sind es besondere Lichtschutzgebiete, an denen man den Sternenhimmel besonders gut mit blo\u00dfem Auge beobachten kann. 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Unseren Platz, der sich nicht nur auf die Winzigkeit eines Menschenlebens runterbrechen l\u00e4sst, sondern im Geflecht des vor Milliarden von Jahren entstandenen Universums; bei dem zuf\u00e4llig ein Planet namens Erde entstand. Zufall, alles ist Zufall. Ich schrieb vor einigen Tagen dar\u00fcber. Bricht man den Zufall nicht nur auf das eigene Leben runter, sondern weitet den Zeitblick, erkennt man die Bedeutung des Zufalls auch auf einer kosmischen Ebene. Der Zufall ist der eigentlich rote Faden, der sich \u00fcber Milliarden von Jahren durch die Entstehungsgeschichte zieht. Den Zufall m\u00f6gen wir als Spezies jedoch nicht so gerne.&nbsp; F\u00fchrt er uns doch vor Augen, dass wir unser Leben nicht wirklich steuern k\u00f6nnen, zumindest nicht langfristig. Der Zufall &#8211; man k\u00f6nnte auch sagen, das Gl\u00fcck oder Pech &#8211; kommt einem im Laufe des Lebens immer wieder in die Quere. Doch wir blenden diese Tatsache gerne aus, denn das bedeutet, dass wir nichts wirklich und wahrhaftig in der Hand haben, sondern ein Spielball des Zufalls sind. Ich h\u00f6re schon die entr\u00fcsteten Aufschreie. Na klar, ich gebe auch nicht gerne zu, dass mein Leben nicht von mir gesteuert wurde, sondern dass ich ganz allein Einfluss darauf hatte. Oberfl\u00e4chlich scheint das so zu sein. Doch je mehr ich nachdenke und je mehr Lebensjahre hinter mir liegen, desto deutlicher wird mir die Unberechenbarkeit des Lebens vorgef\u00fchrt. Es w\u00e4re also f\u00fcr mein Seelenheil von Vorteil, wenn ich nicht erwarte, dass das Leben so und so auszusehen hat. Ich muss den Zufall immer mit ber\u00fccksichtigen. Den Zufall, der mir hilft, der mich aber auch bei der Durchf\u00fchrung eines bestimmten Lebensplan hindert. Keine sch\u00f6ne Erkenntnis. Aber was hilft es, die Augen davor zu verschlie\u00dfen? Je weniger ich mich dranh\u00e4nge an bestimmte Erwartungen, desto freier bin ich. Ist das so? Ich wei\u00df es nicht wirklich&#8230; Ich versuche nur Erkenntnisse f\u00fcr mich zu schaffen, die mir helfen, das Leben nicht als Affront gegen bestimmte W\u00fcnsche und Vorstellungen die ich habe zu begreifen, sondern einfach als das Leben. Gelingt mir das? Leidlich. Ich falle oft in jene Schleife des Bedauerns zur\u00fcck. Doch ich mache Fortschritte. Etwas \u00e4ndert sich im Gef\u00fchl. Das Bedauern ist nicht mehr allm\u00e4chtig. Es poppt auf, aber es kann mich nicht mehr so einnehmen, wie noch vor einigen Jahren. Ich akzeptiere, dass sich der Zufall eben mal im Kleid des Gl\u00fccks oder in der Fratze des Pechs zeigt. Es ist nichts pers\u00f6nliches. Es ist einfach nur &#8211; Zufall. Ob etwas gelingt h\u00e4ngt eben nicht nur von einem selbst ab, sondern von zig weiteren Faktoren, die wir nicht beeinflussen k\u00f6nnen. Eben weil wir nicht losgel\u00f6st von anderen agieren auch nicht von der Umwelt. Wir k\u00f6nnen uns nicht l\u00f6sen aus der Umwelt, als ginge uns die Zerst\u00f6rung dieser nichts an. Sie ist unser Habitat &#8211; und ob wir wollen oder nicht, wir sind nur ein Teil dessen. Nicht dessen Herrscher und schon gar nicht dessen Kr\u00f6nung. Demut tut gut, sie r\u00fcckt Perspektiven gerade. Sie stellt sie an den richtigen Platz. Mit Demut haben wir nicht wirklich viel zu tun. Daf\u00fcr sind wir zu egoistisch. In den meisten F\u00e4llen. Demut kommt nicht wirklich t\u00e4glich bei uns vor. Wann warst Du das letzte Mal wirklich dem\u00fctig? Solltest Du lange dar\u00fcber nachdenken m\u00fcssen, hast Du schon die Antwort. Demut ist kein Alltagsbegleiter in unserer heutigen Gesellschaft. In dieser geht es nur um Effizienz und das immer Mehr und Mehr. Demut hat in einem kapitalistischen System keinen Platz. Ganz einfach! Und wir akzeptieren die Bedingungen dieses krank machenden Systems &#8211; ohne wirklich zu hinterfragen, ob es nicht auch anders ginge. Ich will kein Fass aufmachen, denn es ginge tats\u00e4chlich auch anders. Aber in den letzten 100 Jahren &#8211; mit Beginn der industriellen Revolution &#8211; hat sich dieses ausbeuterische kapitalistische System ordentlich breit gemacht in unseren K\u00f6pfen. Es hat sich festzementiert als alternativlos, so dass jeder der Alternativen pr\u00e4sentiert wie es gerechter und besser zugehen k\u00f6nnte, wie Thomas Piketty oder auch Precht, nicht wirklich Geh\u00f6r finden bei den Entscheidern. Es ist nicht gewollt, dass sich an diesem System etwas \u00e4ndert. Die Entscheider h\u00e4ngen an der Macht und das schon seit Hunderten von Jahren. Nur die Bezeichnungen \u00e4ndern sich im Laufe der Zeit. War es fr\u00fcher der Adel, sind es heute die Superreichen, die bestimmen. Doch wie gesagt, ich will dieses Fass jetzt nicht weiter \u00f6ffnen, denn dann schreibe ich die n\u00e4chsten Jahre \u00fcber nichts anderes. Und das spare ich mir noch ein wenig auf. Aber halten wir doch den Begriff der Demut noch ein wenig in Gedanken. Tragen wir ihn in den Tag; lassen ihn zu unserem Begleiter werden. Und sp\u00fcren, was eventuell passiert. Mit uns. Mit einem selbst. Vielleicht \u00e4ndern sich nur Nuancen. Aber jede noch so kleine Ver\u00e4nderung kann am Ende eine Gro\u00dfe werden. Geben wir der Demut eine Chance und lassen sie zu unserem Weisen in unserem Innern werden. 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