{"id":279,"date":"2021-01-12T11:13:51","date_gmt":"2021-01-12T10:13:51","guid":{"rendered":"http:\/\/marielosophie.de\/?p=279"},"modified":"2021-01-12T11:13:51","modified_gmt":"2021-01-12T10:13:51","slug":"was-hat-madrid-mit-plaene-machen-zu-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marielosophie.de\/?p=279","title":{"rendered":"Was hat Madrid mit Pl\u00e4ne machen zu tun?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Madrid versinkt im Schneechaos. Das las ich heute morgen im Spiegel online. Die Madrider sind mit Skiern und Schlitten in der Stadt unterwegs. Die Bilder sind ein klein wenig surreal. Man glaubt sich in einem typischen Skiort &#8211; und doch ist es mitten im S\u00fcden! Wer den Wandel unseres Klimas immer noch leugnet, der lebt in der Tat in einer Parallelwelt. Und pl\u00f6tzlich kommt mir ein Interview ins Hirn, welches ich vor einigen Tagen geh\u00f6rt habe. Mit Graeme Maxton &#8211; Mitglied des Club of Rome &#8211; der bereits seit 50 Jahren vor der nahenden Klimakatastrophe warnt. Er macht deutlich, dass wir uns mittlerweile in einem Zeitkorridor befinden, der sich immer mehr verengt, was die Schadensbegrenzung des Klimawandels angeht. Und wenn wir diesen Korridor an noch verbleibender Zeit nicht nutzen, um das Schlimmste abzuwenden, dann werden wir in sp\u00e4testens 20 Jahren den gesamten S\u00fcden vertrocknet und unsere Breitengrade mit Temperaturen dem heutigen S\u00fcden vergleichbar, verwandelt haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Und heute morgen kam mir diese Eindringlichkeit wieder in den Kopf. Aus &#8211; der Traum vom Niederlassen in sonnigen Gegenden. Der S\u00fcden wird dann so trocken sein, dass die Menschen dort in den Norden zu uns fl\u00fcchten werden. Und schon l\u00f6st sich ein weiterer Traum &#8211; man k\u00f6nnte auch sagen &#8211; <em>Plan<\/em> auf. Wieviele Vorstellungen und Tr\u00e4ume werden wir in den kommenden Jahren noch begraben m\u00fcssen? Mein &#8211; vielleicht etwas naiver Wunsch &#8211; im sonnigen S\u00fcden die eigenen Lebensstunden zu verbringen, wird sich so wohl nicht mehr realisieren lassen. Weil wir die Umwelt schon soweit zerst\u00f6rt haben, dass unsere Vorstellungen nicht mehr mit den realen Umst\u00e4nden zusammen passen werden. Und da kommen wir schon zum n\u00e4chsten Punkt:\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00e4ne machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">\u00a0Inwieweit k\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt noch realistische Pl\u00e4ne machen? <\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen schon jetzt, dass sich von einem Tag auf den anderen das komplette Leben \u00e4ndern kann. Das gesamte Lebensmodell steht auf dem Pr\u00fcfstand und das aufgrund eines winzig kleinen Virus, das uns mit eiserner Klammer im Griff und &#8211; buchst\u00e4blich &#8211;\u00a0 in <em>Atem<\/em> &#8211; h\u00e4lt. Was n\u00fctzen Pl\u00e4ne, wenn sich diese aufl\u00f6sen, wie das Eis auf den Polkappen? Doch Pl\u00e4ne k\u00f6nnen Hoffnung spenden. Sie vermitteln einem die Illusion, dass ich es selbst in der Hand habe. Aber habe ich das wirklich? Ich denke &#8211; nein. Du kannst planen und planen, dir alles zurecht legen, nach Plan handeln bis ein Ereignis Deinen Plan von einem Augenblick zum anderen zur Makulatur werden l\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ganz und gar nicht das Gef\u00fchl, das du haben willst. Denn Du machst ja Pl\u00e4ne, um genau <em>dieses<\/em> Gef\u00fchl der Unsicherheit <em>nicht<\/em> zu haben. Du willst Sicherheit, planst und feilst und planst weiter -und am n\u00e4chsten Tag ist nichts mehr so wie Du es bisher gekannt hast. Und pl\u00f6tzlich sitzt sie dir im Nacken, die Unsicherheit und Du willst die Unsicherheit nicht. Du willst Deinen Plan, der dir doch Sicherheit versprochen hat, weiter durchziehen. Aber der Plan ist nichts weiter als ein Wunsch, eine Vorstellung, eine <em>Erwartung<\/em>. Und diese <em>k\u00f6nnen<\/em> in Erf\u00fcllung gehen, sie k\u00f6nnen sich aber auch genau so gut einfach aufl\u00f6sen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund von Faktoren, die du null beeinflussen kannst. So sicher, wie dein Plan auch ausgesehen mag. Letztendlich ist es eine Illusion zu glauben, wir k\u00f6nnten wirklich planen. Wir machen uns etwas vor. Und das liegt daran, weil wir unsere eigene Endlichkeit tagt\u00e4glich verleugnen. W\u00e4re sie uns wirklich wirklich t\u00e4glich bewusst, k\u00e4men wir nicht auf die Idee Pl\u00e4ne zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"> Pl\u00e4ne dienen nur dazu, uns in Sicherheit zu wiegen. <\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch es ist nur eine scheinbare Sicherheit. Und es ist verst\u00e4ndlich, dass wir uns nicht wirklich eingestehen wollen, dass wir unser Leben letztendlich <em>nicht<\/em> ausschlie\u00dflich selbst in der Hand haben, sondern dass es jederzeit durch eintreffende Ereignisse, anders verlaufen kann. Mir gef\u00e4llt das ganz und garnicht. Doch was n\u00fctzt es mir, mir etwas vorzumachen? Damit bel\u00fcge ich mich nur selbst und sehe der Realit\u00e4t nicht ins Auge. Pl\u00e4ne waren eine Zeit lang super wichtig f\u00fcr mich. Ich hatte einen Lebensplan, der so nicht aufgegangen ist. Mittlerweile habe ich damit Frieden geschlossen, mit meinem nicht erf\u00fcllten Lebensplan. Und deshalb h\u00fcte ich mich, langfristig noch Pl\u00e4ne zu entwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p> Ich habe eine <em>grobe<\/em> Ahnung, in welche Richtung sich mein Leben bewegen soll. Aber ich h\u00fcte mich, einen konkret ausgearbeiteten Plan f\u00fcr mein restliches Leben zu machen. Denn mir ist bewusst, dass ich mich damit nur selbst betr\u00fcge. Der Plan ist nichts als ein Plan &#8211; ein Wunsch &#8211; das Leben in diese oder jene Richtung zu <em>lenken<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"> Aber es geht nicht ums Lenken. Es geht ums <em>Wahrnehmen<\/em>. <\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf das in sich horchen. Und dann daraus so etwas wie ein <em>Gef\u00fchl<\/em> zu entwickeln, was ich wirklich m\u00f6chte. Und diesem Gef\u00fchl kann ich folgen, solange es die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde erm\u00f6glichen. Und \u00e4ndern sich die Umst\u00e4nde, dann kann ich eventuell dem Gef\u00fchl nicht in dem Ma\u00dfe weiter folgen, aber ich kann mein Denken \u00e4ndern und damit meinem Gef\u00fchl von einem gelingenden Leben weiter nachsp\u00fcren; ohne mich sklavisch an einen Plan halten zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\"> Ich passe mich an &#8211; an die Umst\u00e4nde &#8211; und versuche dabei mein Gef\u00fchl f\u00fcr mich selbst nicht zu verlieren. <\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mehr kann ich nicht erwarten. Alles andere w\u00e4re naiv. Pl\u00e4ne sind toxisch! Sie vermitteln dir eine Aussicht, die sich vielleicht nicht erschlie\u00dfen wird. Weil sich die Umst\u00e4nde &#8211; so nenne ich sie mal &#8211; jederzeit \u00e4ndern k\u00f6nnen. Sich das klar zu machen, kann helfen, besser durch die Zeiten zu kommen; die ganz sicher ungem\u00fctlicher werden, als in der Vergangenheit. Dazu stehen zu viele Umbr\u00fcche an. Ich will sie hier nicht aufz\u00e4hlen, denn das tr\u00fcbt den Blick. Ich m\u00f6chte nicht mit tr\u00fcben Blick in die Zukunft schauen, ich m\u00f6chte mit realistischem Blick nach vorne schauen. Mit dem klaren Bewusstsein, dass sich alles anders entwickeln kann, als es einem lieb ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn ich wieder einmal in diese Situation komme, dann bin gefeit gegen die Widrigkeiten, denn ich habe mir nicht vorgemacht, wie mein Leben zu verlaufen hat. Ich bleibe <em>geschmeidig<\/em> und <em>flexibel<\/em> und beharre nicht auf Pl\u00e4nen, die mich nur ungl\u00fccklich machen. Ich schaue nach vorn, ohne mich einzuengen. Ich erwarte nicht mehr, dass mein Plan aufgeht. Vielmehr ist mir bewusst, dass mein Plan jederzeit <em>nicht<\/em> mehr zu den Umst\u00e4nden passt. Und je freier ich in meinen Erwartungen bin &#8211; desto ges\u00fcnder f\u00fcr mein Seelenheil. <\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher liebte ich Pl\u00e4ne, heute verteufele ich sie fast. Obwohl mir bewusst ist, dass f\u00fcr viele ein Plan wichtig ist. Nur die Sichtweise sollte nicht so starr darauf gerichtet sein, denn dann st\u00fcrzt man ins Ungl\u00fcck. Und der Plan erweist sich letztendlich eben nicht als Sicherheit, sondern er zeigt sein b\u00f6ses Gesicht der <em>Starrheit<\/em>. Verharrt man trotz aller \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde auf einen einmal gefassten Plan, tappt man leicht in die Falle. Denn dann vermittelt ein Plan keine Sicherheit mehr, sondern nur noch ein sklavisches Festhalten unerf\u00fcllter W\u00fcnsche. Die eigentliche Freiheit liegt nicht im Pl\u00e4ne machen, sondern in einem geschmeidigen Umgang mit den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden und der eigenen Gef\u00fchlslage. Und das ist mehr, als ein Plan &#8211; als Vorgaukelung eines Versprechen &#8211; jemals halten kann.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Madrid versinkt im Schneechaos. Das las ich heute morgen im Spiegel online. 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