{"id":178,"date":"2020-10-31T13:18:00","date_gmt":"2020-10-31T12:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marielosophie.de\/?p=178"},"modified":"2020-10-30T08:17:38","modified_gmt":"2020-10-30T07:17:38","slug":"platon-wusste-es-laengst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marielosophie.de\/?p=178","title":{"rendered":"Platon wusste es l\u00e4ngst"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Gestern sind wir beide mal wieder zu gro\u00dfen Erkenntnissen gelangt, die allerdings bereits jahrzehntelang bekannt sind. Doch manchmal braucht man fast das ganze Leben, um wirklich zu <em>begreifen<\/em>, was sie bedeuten. Es klingt fast banal, was ich jetzt schreiben werde, doch das macht gar nichts; wichtig ist nur, dass diesmal das <em>Gef\u00fchl<\/em> zu dieser Erkenntnis mitzieht. Der Verstand hat alles l\u00e4ngst aufgenommen und abgelegt. Das Gef\u00fchl jedoch war nicht dabei. Worum es geht? Ganz einfach: Die Welt, wie wir sie uns zurechtgelegt haben, <em>wie sie zu sein hat,<\/em> das alles wurde uns durch das Fernsehen in vorgefertigten Portionen pr\u00e4sentiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Familienleben funktioniert,<br>wie eine romantische Liebe funktioniert, <br>wie Erfolg funktioniert\u2026-<br>die Liste ist lang.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Du wirst <em>hirngewaschen<\/em>, dir wird ein Leben vorgegaukelt, wie es <em>ideal<\/em> sein sollte aber in der Realit\u00e4t niemals funktionieren wird. Deine Vorstellungen jedoch von diesem idealen Leben sind eingebrannt in deine Hirnrinde, ohne dass du es bemerkt hast. Bereits im Kindesalter, mit allen Filmen die dir damals die perfekte Welt suggeriert haben. Und dann bemerkst du, dass die Reali\u00e4t \u00fcberhaupt nicht mit dem \u00fcbereinstimmt, was du im Fernsehen gesehen hast. Und beginnst dich zu fragen, was mit <em>dir<\/em> selbst nicht stimmt. Warum l\u00e4uft es nicht so, wie du es gesehen hast? Warum passt die Vorstellung und die Realit\u00e4t nicht zusammen? <\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt beginnst du, die <em>Realit\u00e4t<\/em> an die <em>Fiktion<\/em> <em>anpassen<\/em> zu wollen. Du willst genau so erfolgreich im Job sein, wie der Typ in Wall Street. Du willst genau so eine bedingungslose Liebe wie bei Romeo und Julia. Du willst <em>genau<\/em> <em>so<\/em> ein Leben, wie du es gesehen hast. Im Fernsehen. Und begreifst immer noch nicht, warum es nicht so wird. Denn das Leben ist eben kein Ideal. Es ist nicht so, wie Dir suggeriert wurde. Weder in der Liebe, noch im Job, noch \u00fcberhaupt. Es ist komplett gegens\u00e4tzlich und unausgewogen; es ist anstrengend und es ist <em>niemals<\/em>, niemals so wie es dir vorgemacht wurde. Das Schlimmste jedoch ist, dass Du es nicht bemerkt hast. Die falschen Vorstellungen haben sich in den ganzen Jahren gefestigt. Die Vorstellungen eines bestimmten Narrativs, dass Dich erfolgreich manipuliert hat:<\/p>\n\n\n\n<p>-So hat Gl\u00fcck auszusehen<\/p>\n\n\n\n<p>-so hat Erfolg auszusehen<\/p>\n\n\n\n<p>-so funktioniert Liebe<\/p>\n\n\n\n<p>-so funktioniert das Leben<\/p>\n\n\n\n<p>Das Scheitern ist <em>vorprogrammiert<\/em>. Denn in dem Versuch deine eigene Realit\u00e4t der Fiktion anzupassen, st\u00f6\u00dft du permanent auf das wahre Leben. Die Kollisionen h\u00e4ufen sich, bis zum Schluss nichts mehr zusammenpasst. Weder Deine Vorstellung vom Leben, noch die Fiktion. Alles f\u00e4llt auseinander. Und du stehst pl\u00f6tzlich vor deinem Leben und bekommst nichts mehr zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p> Und warum? Aufgrund dieser ganzen angeh\u00e4uften falschen Vorstellungen, wie ein Leben auszusehen hat. Dieser ganze romantische Schei\u00df eines perfekten Lebens, dient nur dazu das Ungl\u00fcck dar\u00fcber gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer zu machen, je mehr Entt\u00e4uschungen dazu kommen. Und wie kommen die Entt\u00e4uschungen zustande? Weil du nach und nach begreifst, dass die Realit\u00e4t nicht im geringsten etwas mit dem zu tun hat, was dir die Filmindustrie, die Gesellschaft, das System vorgesetzt haben. Du enttarnst die T\u00e4uschung. Und das erzeugt ein Gef\u00fchl &#8211; dass keinem gef\u00e4llt: das Gef\u00fchl des <em>Betrogenwordenseins<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Du hast <em>vertraut<\/em>. Du hast darauf vertraut, dass das was dir da gezeigt und erz\u00e4hlt wird, tats\u00e4chlich die Realit\u00e4t abbildet. Und jetzt musst du feststellen, dass du nur <em>Illusionen<\/em> und <em>Wunschvorstellungen<\/em> hinterhergejagt bist. Das ist nicht unbedingt f\u00f6rderlich f\u00fcr ein gelingendes Leben. Nun sind die Spuren dessen, soweit in dein Hirn eingebrannt, dass du nun f\u00fcr den Rest deines verbleibenden Lebens versuchst, diese Spurrillen, die so tief sind wie der Grand Canyon, auszugleichen. Oder zumindest neue Spuren daneben zu setzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Du befindest dich in einer st\u00e4ndigen Dissonanz zwischen deiner \u00e4usseren und deiner inneren Welt. Die beiden zu einem Bild zusammen zu bekommen, ist die <em>K\u00f6nigsdisziplin<\/em>. Denn es behagt dir gar nicht, wie die Realit\u00e4t aussieht. Du kommst nicht klar mit all den h\u00e4sslichen Problemen, denen du in der Realit\u00e4t ausgesetzt ist. Es m\u00fcsste doch alles ganz anders aussehen in deinem Leben, denkst du dir und vergleichst permanent die Bilder, die in deinem Kopf geistern, mit den Bildern des wahren Lebens. Und nichts passt zusammen. Es f\u00fcgt sich nichts zusammen. Ganz im Gegenteil, je mehr du dich im wahren Leben aufh\u00e4ltst, desto klarer wird dir, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch weil du viel arbeitest um deinen Lebensunterhalt zu verdienen und weil du keine Zeit hast dar\u00fcber nachzudenken, bleibt nur dieses st\u00e4ndig diffuse Gef\u00fchl. Um genauer dar\u00fcber nachzudenken, w\u00e4re <em>Mu\u00dfe<\/em> von Vorteil. Aber das darf nicht sein, denn auch hier verhindert dein Glaubenssatz vom <em>Faulsein<\/em>, dass sich <em>nur<\/em> <em>Leistung<\/em> lohnt, nicht Mu\u00dfe. Und so lebst du in dein Leben hinein, mit deinen falschen Vorstellungen im Hirn und dem Leben da drau\u00dfen und kommst dir vor wie Sisyphos, der auf ewig den Fels den Berg hoch rollt, nur damit dieser von oben wieder herunter kullert. Doch du hast die Vorstellung, dass du diesen Fels hoch rollen <em>musst<\/em>, damit dieser wundervolle Berg weiter anwachsen kann. Denn das wurde dir so vorgemacht. Und so rollst du und rollst du diesen Fels den Berg hoch und jedes Mal kommt dir die Realit\u00e4t in die Quere. <\/p>\n\n\n\n<p>Und du bist traurig, du bist frustriert, du bist entt\u00e4uscht und doch machst du weiter. Denn du kennst nichts anderes. Und Zeit dar\u00fcber wirklich nachzudenken, hast du nicht. Denn du bist ja mit dem Hochrollen des Felsen besch\u00e4ftigt. Und genau <em>das<\/em> ist das Leben: Wenn du <em>nicht<\/em> bemerkst, dass dir Unwahrheiten \u00fcber die Realit\u00e4t erz\u00e4hlt werden, dann findest du dich in Platons H\u00f6hle wieder: Mit den Schatten an den W\u00e4nden und der Vorstellung, das sei die Realit\u00e4t. <\/p>\n\n\n\n<p>Und genau das passiert mit uns. Uns wird eine Lebens- und Handlungsweise vorgegaukelt, die angeblich das Leben wiederspiegelt oder wie das Leben <em>auszusehen<\/em> hat! Und du f\u00fchlst dich wie ein Loser, wenn es dir selbst <em>nicht<\/em> gelingt, die Geschichten, die dir vorgespielt werden, dieselbe ideale Lebens-Geschichte in deinem eigenen Leben zu erzeugen. Du kommst dir vor wie ein Versager, weil nichts von dem \u00fcbereinstimmt, was in deinem Hirn als scheinbar perfektes Leben an Vorstellungen herumgeistert. <\/p>\n\n\n\n<p>Es kann nicht funktionieren. Und doch kann man sich dem nicht entziehen. Die einzige Chance ist, dass man irgendwann aufgrund einer pers\u00f6nlichen Katastrophe so weit von Realit\u00e4t und Wunschvorstellung geschleudert wird, dass die Fata Morgana sich aufl\u00f6st und du einen kurzen Blick hinter den Vorhang des <em>wahren<\/em> Lebens werfen kannst. Was Du dort findest, wird dir nicht behagen. Aber keiner hat behauptet, das Leben sei behaglich. Stimmt nicht, denn genau das wird ja in den Medien suggeriert. Das Gl\u00fcck findest du wenn \u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, genau dieses kleine Wort &#8211; wenn &#8211; ist verantwortlich f\u00fcr dein gesamtes Ungl\u00fcck. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Du Dich anpasst&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Du flei\u00dfig bist&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Du leistet&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn, wenn, wenn&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Vergiss es einfach! Fange an, das Leben zu <em>erkennen<\/em>. Fange an, genauer <em>hinter<\/em> den Vorhang zu schauen, anstatt dir etwas vorspielen zu lassen. Fange an, deine Bilder im Kopf durch das <em>echte<\/em> Leben zu ersetzen. Es wird dir nicht gefallen, aber immerhin ist es <em>dein<\/em> Leben und nicht eine Vorstellungen der <em>Anderen<\/em>&#8211; der <em>Gesellschaft<\/em> &#8211; die dir aufgedr\u00fcckt wurden. Es werden <em>deine<\/em> Vorstellungen sein und ich bin sicher, dass sich diese wesentlich besser mit dem wahren Leben vereinbaren lassen, weil du deine eigenen Vorstellungen vom Leben <em>real<\/em> erfahren hast. Es sind keine Fakes, keine romantisierten Lebensgeschichten, digital erfunden. Sie sind <em>real<\/em> und vor allem sind diese Vorstellungen eins: <em>ehrlich<\/em>.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Versuche Mu\u00dfe, verschenke keine Zeit an einen schwarzen Kasten, der dir nur die Umrisse des Lebens an die Wand wirft. <\/p>\n\n\n\n<p>Versuche.Das.Echte.Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern sind wir beide mal wieder zu gro\u00dfen Erkenntnissen gelangt, die allerdings bereits jahrzehntelang bekannt sind. Doch manchmal braucht man fast das ganze Leben, um wirklich zu begreifen, was sie bedeuten. Es klingt fast banal, was ich jetzt schreiben werde, doch das macht gar nichts; wichtig ist nur, dass diesmal das Gef\u00fchl zu dieser Erkenntnis mitzieht. Der Verstand hat alles l\u00e4ngst aufgenommen und abgelegt. Das Gef\u00fchl jedoch war nicht dabei. Worum es geht? 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