{"id":174,"date":"2020-10-21T12:23:21","date_gmt":"2020-10-21T10:23:21","guid":{"rendered":"http:\/\/marielosophie.de\/?p=174"},"modified":"2020-11-04T18:11:39","modified_gmt":"2020-11-04T17:11:39","slug":"die-zwangsjacke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marielosophie.de\/?p=174","title":{"rendered":"Die Zwangsjacke"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Eine 90 j\u00e4hrige erz\u00e4hlt, dass ihre besten Lebensjahre die zwischen 80 und 90 waren, denn niemand hat mehr etwas von ihr erwartet. Weder an Leistung, noch an Benehmen. Sie f\u00fchlte sich frei und unbeschwert. Jede ihrer Eigenarten wurde einfach akzeptiert und nicht gema\u00dfregelt. Warum? Weil sie todgeweiht ist. Und ich frage mich: Warum muss man erst dem Tod ins Auge blicken, um sich frei zu f\u00fchlen? Warum akzeptieren die anderen <em>nur<\/em> den <em>Tod<\/em> als Erkl\u00e4rung, dass man sich so geben kann, wie man wirklich ist? Warum muss der Tod erst vor der T\u00fcre stehen, damit sich diese alte Frau <em>frei<\/em> f\u00fchlt? Warum ist das nicht bereits in <em>jungen<\/em> Jahren so? <\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Wieso gibt es diesen <em>Freifahrtschein<\/em> &#8211; von der Gesellschaft &#8211; von einem selbst &#8211; erst am <em>Ende<\/em> eines Lebens?\u00a0<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fchen uns ab. Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte, ein halbes Jahrhundert und dar\u00fcber hinaus. Gefangen in unseren &#8211; von au\u00dfen herangetragenen Glaubenss\u00e4tzen. Eingezw\u00e4ngt zwischen eigenen und fremden Erwartungen und Anforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Am Ende eines Lebens ist nichts mehr davon relevant! <\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt nur der Kern. Das <em>Essentielle<\/em>. Das worauf es im Leben ankommen sollte, aber nicht ist: Die Freiheit, das eigene Leben leben zu d\u00fcrfen. Ohne die Angst, den Vorstellungen der anderen nicht zu gen\u00fcgen. Denn um\u00b4s <em>Gen\u00fcgen<\/em> geht es am Ende des Lebens nicht. W\u00e4re es nicht wundervoll, dieses Gef\u00fchl mit <em>in<\/em> das Leben zu tragen? Wenn wir die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten &#8211; dieses Gef\u00fchl, dass man ok ist so wie man ist\u2026- wenn wir dieses Gef\u00fchl fest in uns einpflanzen k\u00f6nnten; wenn wir auch tats\u00e4chlich <em>selbst<\/em> daran glauben w\u00fcrden. Mit fester \u00dcberzeugung und ohne Zweifel. Wieviel weniger Leid g\u00e4be es? Wir m\u00fcssten uns nicht gr\u00e4men und betroffen sein, weil wir angeblich den Anforderungen und Erwartungen der <em>Anderen<\/em> nicht gen\u00fcgen. Wir w\u00fcrden einfach dar\u00fcber hinwegsehen und uns auf unser <em>Innerstes<\/em> beziehen. Es hegen und pflegen und als Hort der Sicherheit immer wieder zu ihm zur\u00fcckkehren.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende unseres Lebens, wenn es nicht mehr darauf ankommt (ich frage mich auf was?) gewinnen wir <em>die<\/em> Freiheit, die wir uns das <em>gesamte<\/em> Leben gew\u00fcnscht haben. Frei im Kopf, frei von der gedanklichen Zwangsjacke. Die wurde abgelegt. Endlich! Nach all den Jahrzehnten. <\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Und du fragst dich unvermittelt: Verdammt, warum habe ich mir diese Zwangsjacke nicht schon fr\u00fcher vom Leibe gerissen? Warum habe ich mir diese \u00fcberhaupt \u00fcberziehen <em>lassen<\/em>? <\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Nein stimmt nicht &#8211; ich habe sie mir <em>bereitwillig<\/em> angezogen, denn mir wurde Glauben gemacht, dass es eine sch\u00f6ne, warm gef\u00fctterte und sichere Jacke sei. Doch das war ein Irrtum. Denn diese Jacke passte von Anfang an nicht. Und man hat gezogen, gezerrt und noch mehr gezogen, sie wurde nie weiter. Je mehr ich zerrte, desto enger wurde diese Jacke. Bis sie sich zum Schluss als das zeigte, was sie wirklich war: Die Zwangsjacke der <em>Anderen<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Und erst fast ganz am Ende der Vorstellung &#8211; welche sich LEBEN nennt, kommt dir ein Verdacht: Die Jacke hat dir nie wirklich gepasst. Du hast dir nur etwas <em>vorgemacht<\/em>. Du hast dir auch etwas vormachen <em>lassen<\/em>. Nur am Ende des Lebens sp\u00fcrst du, wie eng und einschn\u00fcrend diese Jacke dein Leben lang war. Und erst dann, wenn das Ende naht  &#8211; schaffst du es endlich, dir diese Jacke vom Leibe zu rei\u00dfen; um das zum Vorschein zu bringen, was du dein Leben \u00fcber versteckt hast: Dich! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Lass es nicht soweit kommen!<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Rei\u00df Dir diese Zwangsjacke bereits <em>w\u00e4hrend<\/em> Deines Lebens vom Leib &#8211; und nicht erst &#8211; wenn es fast zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Versuche bereits <em><strong>im<\/strong><\/em> Leben DU SELBST ZU SEIN.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine 90 j\u00e4hrige erz\u00e4hlt, dass ihre besten Lebensjahre die zwischen 80 und 90 waren, denn niemand hat mehr etwas von ihr erwartet. Weder an Leistung, noch an Benehmen. Sie f\u00fchlte sich frei und unbeschwert. Jede ihrer Eigenarten wurde einfach akzeptiert und nicht gema\u00dfregelt. Warum? 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