{"id":171,"date":"2020-09-25T09:50:08","date_gmt":"2020-09-25T07:50:08","guid":{"rendered":"http:\/\/marielosophie.de\/?p=171"},"modified":"2020-09-25T09:50:08","modified_gmt":"2020-09-25T07:50:08","slug":"was-buddhismus-mit-angst-zu-tun-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marielosophie.de\/?p=171","title":{"rendered":"Was Buddhismus mit Angst zu tun hat"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\"><em>Das Unwillkommene Willkommen hei\u00dfen.<\/em> Den Satz hab ich heute von einer buddhistischen M\u00f6nchin gelesen. Der Angst begegnen, dem Leid nicht ausweichen; sich damit ernsthaft auseinander setzen. Nicht versuchen, diese Gef\u00fchlszust\u00e4nde weg zu dr\u00fccken. Ich hatte nur eine Leseprobe &#8211; aber der Textauszug hat mich ber\u00fchrt. Obwohl ich nicht glaube, dass ich soweit bin, die Dinge so umzusetzen, wie in dem Buch wohl noch angef\u00fchrt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber:&#8230; &#8211; ich bin nicht <em>allein<\/em>. Denn so wie mir, geht es unendlich vielen Menschen auf der Welt. Der eine, der gerade die schlechte Nachricht erhalten hat, dass sein bester Freund gestorben ist. Die andere, der ihr Mann gerade er\u00f6ffnet, dass er eine Aff\u00e4re hat und sich scheiden lassen will. In jeder Sekunde passieren solche Dinge. Wenn sie einem selbst widerfahren, hat man allerdings das Gef\u00fchl, dass man gerade der <em>einzige<\/em> &#8211; wirklich der ganz einzige &#8211; Mensch auf der Welt ist, der gerade so leidet. So ist unsere Wahrnehmung. W\u00fcrde man in diesen &#8211; f\u00fcr einen selbst &#8211; schlimmsten Momenten daran denken, dass es gerade vielen Menschen wie einem selbst geht, k\u00f6nnte man die Perspektive \u00e4ndern. Man k\u00f6nnte dann denken: <em>Dingepassieren<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Sich der Illusion hingeben, dass man sich vor Leid, Angst Entt\u00e4uschung und Wut sch\u00fctzen kann, ist eben eine\u2026 <em>Illusion<\/em>. Und dennoch kleben wir an der Vorstellung, dass es genau so ist: Dass wir uns sch\u00fctzen k\u00f6nnen vor Leid. Wir bem\u00fchen uns, Sicherheiten um uns herum aufzubauen, in der Hoffnung, dass uns kein Leid trifft. Aber regelm\u00e4\u00dfig wird diese Hoffnung zerst\u00f6rt. Wir haben nur Augenblicke, mehr nicht &#8211; in denen wir Ruhe finden. Im Gesamtfluss des Lebens jedoch, sind wir Leid, Angst, Wut, \u00c4rger, Kummer immer wieder ausgesetzt. Und noch so jede Bem\u00fchung, sich dem zu entziehen, f\u00fchrt nur zu noch mehr Frust und \u00c4rger. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Unwillkommene Willkommen hei\u00dfen <\/em>&#8211; darum geht es. Ich bin im Buddhismus nicht bewandert, obwohl ich schon immer ein Interesse daran hatte. Kurzzeitig war ich auch in einem buddhistischen Zentrum zum Meditieren. Aber das war w\u00e4hrend eines Besuchs in K\u00f6ln &#8211; es war keine nachhaltige Erfahrung. Trotzallem sto\u00dfe ich in meinem Leben immer wieder \u00fcber den Buddhismus. Es l\u00e4sst etwas in meinem Herzen klingen, nur komme ich nicht soweit, den Klang l\u00e4nger klingen zu lassen. Es kommt immer wieder das Leben dazwischen. Und dann verschwindet der Buddhismus wieder in einer Ecke meines Hirns und ger\u00e4t in Vergessenheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Bis ich irgendwann wieder auf ihn sto\u00dfe. So wie heute morgen. Ich habe Angst vor Leid. Ich habe Angst vor Kummer, ich habe Angst vor der Angst. Und genau das sind die Blockaden im Leben, die einen weiter leiden lassen. Es ist verzwickt! Ich lese: Ich muss die Angst zulassen. Ich muss sie akzeptieren. Ich muss sie anders betrachten.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich diese Zeilen lese, denke ich nur: Wie soll das gehen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie l\u00e4sst man Gedanken zu, die einem Angst bereiten?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann man sie als hilfreich betrachten, wenn man das Gef\u00fchl hat, sie verschlingen einen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe nur eine <em>Ahnung<\/em>, wie es gemeint sein k\u00f6nnte &#8211; n\u00e4mlich: Wenn ich meine Angst vor der Angst verliere, verliere ich gleichzeitig auch das Leiden. Ich kann die Angst nicht verschwinden lassen. Ich muss akzeptieren, dass sie wieder und wieder auftauchen wird. Und dass ich eben nicht jedes Mal aufs Neue dar\u00fcber ersch\u00fcttert bin &#8211; warum mir gerade das und das passiert. Wenn ich akzeptiere, dass Angst, Wut, Leid, \u00c4rger, Entt\u00e4uschung zum Leben geh\u00f6ren und nicht nur dazu geh\u00f6ren, sondern nat\u00fcrlicher Bestandteil des Lebens sind; k\u00f6nnte ich doch anders auf diese Angst schauen? Es sind nur meine bescheidenen \u00dcberlegungen hierzu.<\/p>\n\n\n\n<p> Wie gesagt, ich bin nicht bewandert im Buddhismus, aber er weist mich auf etwas hin; stupst mich an, anders zu denken. Anders zu bewerten. Doch leider wei\u00df ich auch, dass ich hier nur Worte schreibe. Sie h\u00f6ren sich sinnvoll und gut an; doch sp\u00e4testens bei der n\u00e4chsten Katastrophe werde ich keinen einzigen dieser Gedanken hervorziehen k\u00f6nnen, um die Situation in der ich mich dann befinde, anders zu bewerten. Denn dann hat die Angst das Zepter in der Hand und es bedarf eines gewaltigen geistigen U-Turns, um sich in diesem Augenblick nicht von der Angst verschlingen zu lassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Illusion gebe ich mich nicht hin. Es wird mir <em>nicht<\/em> gelingen und ich wei\u00df just in diesem Augenblick, dass ich blockiert bin. Denn wenn ich schon im Vorfeld ausschlie\u00dfe, mich der potenziellen Angst nicht stellen zu k\u00f6nnen, schiebe ich damit einen Riegel vor. Ich bin in einem Teufelskreis. Ich kann nur hoffen, dass vielleicht doch irgendwo in einem Winkel meines Hirns oder vielleicht auch in meinem Herzen etwas da ist, was mir dann in dieser Situation hilft, ein winzig kleines bisschen anders zu reagieren als sonst; einen Mikromilimeter <em>anders<\/em> mit einer dieser zuk\u00fcnftigen Angstsituationen umzugehen. Das ist meine gro\u00dfe Hoffnung. Mehr kann ich nicht erwarten. Doch vielleicht reicht dies bereits aus? <\/p>\n\n\n\n<p>Spekulationen dar\u00fcber kann ich mir sparen. Denn sie sind nichts anderes als Wunschvorstellungen. Wie es letztendlich sein wird, werde ich erst mitbekommen, wenn es soweit ist (ich hoffe, es dauert noch sehr lange, bis ich wieder in eine be\u00e4ngstigende Situation komme). Ich bemerke jedoch gerade, dass ich eben <em>nicht<\/em> hoffe, dass mir <em>nichts<\/em> Schlimmes widerf\u00e4hrt, sondern dass ich zumindest schon so realistisch bin, zu sehen, dass eine solche Situation ganz sicher wieder eintreten wird. Eben weil es ein Teil des Lebens ist. Vielleicht ist das ja schon der Mikromillimeter? Die Frage bleibt unbeantwortet &#8211; die Antwort wird sich erst zeigen, wenn es wieder soweit ist. Solange will ich die guten Augenblicke genie\u00dfen. Denn die schlechten stehen schon vor der T\u00fcr&#8230;Ich bin nicht bereit daf\u00fcr, aber gew\u00e4rtig.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Unwillkommene Willkommen hei\u00dfen. Den Satz hab ich heute von einer buddhistischen M\u00f6nchin gelesen. Der Angst begegnen, dem Leid nicht ausweichen; sich damit ernsthaft auseinander setzen. Nicht versuchen, diese Gef\u00fchlszust\u00e4nde weg zu dr\u00fccken. Ich hatte nur eine Leseprobe &#8211; aber der Textauszug hat mich ber\u00fchrt. Obwohl ich nicht glaube, dass ich soweit bin, die Dinge so umzusetzen, wie in dem Buch wohl noch angef\u00fchrt werden. 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