{"id":151,"date":"2020-06-23T11:05:29","date_gmt":"2020-06-23T09:05:29","guid":{"rendered":"http:\/\/marielosophie.de\/?p=151"},"modified":"2020-06-23T11:05:29","modified_gmt":"2020-06-23T09:05:29","slug":"hirnkost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marielosophie.de\/?p=151","title":{"rendered":"Hirnkost"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Vor drei Tagen war Mittsommer. Tag und Nacht durften an diesem Datum gleich lang existieren. Nun werden die Tage wieder k\u00fcrzer. Ca. 1 min pro Tag. Ich erschrecke, wenn ich mir ernsthaft bewusst mache, dass das Jahr 20 nun fast zur H\u00e4lfte vergangen ist. Am Anfang des Jahres &#8211; oder nein &#8211; eher zum November letzten Jahres haben wir uns noch die wildesten Gedanken gemacht, wie wohl das Jahr 2020 laufen wird. Alles hatten wir auf dem Schirm &#8211; wir zogen Parallelen zu den 1920ern &#8211; versuchten Vorhersagen. Doch nichts und niemand von uns hatte ein Virus im Repertoire der m\u00f6glichen Zukunftsszenarien. <\/p>\n\n\n\n<h2><em><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Die Wut kommt<\/span><\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>Mittlerweile ist die 1. Welle soweit abgeebt, dass die europ\u00e4ischen Grenzen f\u00fcr den innereurop\u00e4ischen Reiseverkehr seit dem 15.6. wieder offen sind. Wir versuchen so etwas wie Normalit\u00e4t; was aber nur eine Wunschvorstellung ist. Wie ein &#8211; Nichtwahrhabenwollen &#8211; leugnen &#8211; dass es eben <em>nie<\/em> wieder so sein wird &#8211; sein kann und sein <em>darf<\/em>, wie vor Corona. Das war die 1. Phase. Wir befinden uns gerade in der 2. Phase nach einer lebensbedrohlichen Nachricht: WUT. Viele B\u00fcrger gehen jetzt auf die Stra\u00dfe. Sie lassen ihren Frust und ihre Angst raus &#8211; randalieren, pl\u00fcndern und \u00fcben Gewalt gegen Rettungskr\u00e4fte und Polizisten aus. Sie wissen nicht wohin mit ihrer Wut. Sie begreifen nicht und wollen nicht begreifen, dass wir nicht einfach wieder so weitermachen k\u00f6nnen, als g\u00e4be es das Virus nicht. Sie f\u00fchlen sich eingeschr\u00e4nkt, voller Zukunftsangst und fremdbestimmt. <\/p>\n\n\n\n<h2><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\"><em>Sprengstoff<\/em><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Das ist mentaler Sprengstoff. Wir wandeln auf d\u00fcnnem Eis. Jeder will dort ankn\u00fcpfen wo er vor Ausbruch der Krise aufgeh\u00f6rt hat. Aber das ist ein Trugschluss. Es funktioniert nicht. Unterbewusst sp\u00fcren wir dieses Dilemma. Es l\u00e4sst sich nicht aufl\u00f6sen und deshalb bahnt sich der Frust und der \u00c4rger und die Unsicherheit einen Weg daraus, indem die Menschen auf die Stra\u00dfen gehen und randalieren. Der innere \u00c4rger, die Angst muss raus. 15 Wochen Lockdown erzeugen eine Menge Dampf im Kessel. Ich schaue \u00e4ngstlich morgens auf die Schlagzeilen. Wohldosiert &#8211; aber das allein reicht bereits um f\u00fcr den Rest des Tages mies drauf zu sein. Es ist Schwerstarbeit, gegen diese Untergangsstimmung mental anzugehen. Und doch stelle ich mich dieser jeden Tag aufs Neue. Angesichts des Wahnsinns, der sich auf der Welt abspielt ist es wahrlich nicht einfach, sich positiven Dingen zuzuwenden und so etwas wie Zuversicht zu behalten. Aber es lohnt sich. <\/p>\n\n\n\n<h2><em><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Gut-B\u00f6se<\/span><\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>Denn diese positiven Dinge &#8211; und seien sie noch so klein und unscheinbar- sind es, die uns durch diese Zeit tragen. Es kann ein kurzer Blick auf den treuen Vierbeiner sein, der trotz dieser schlimmen Krise &#8211; einen selbst immer noch als Zentrum von allem sieht. Oder der freundliche Herr, der trotz Mundschutz, mit freundlich blitzenden Augen einem den Vortritt an der Kasse l\u00e4sst. Es sind die ganz kleinen, feinen Dinge, die uns Menschen zu dem machen was wir wahrhaftig sind. <em>Im<\/em> <em>Grunde<\/em> <em>gut<\/em>. Lassen wir uns nichts anderes einreden, von irgendwelchen Despoten und Autokraten, die Hass, Neid und Missgunst ansch\u00fcren. Lassen wir uns nicht einwickeln vom B\u00f6sen. Lassen wir uns unseren Blick nicht tr\u00fcben, f\u00fcr das Gute. Wir haben es nur verlernt, das Gute zu entdecken. <\/p>\n\n\n\n<h2><em><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Wir werden konditioniert<\/span><\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Medien, die sozialen Netzwerke &#8211; alles was heute im Internet m\u00f6glich ist (ja ich hau auch drauf) &#8211; haben einen haupts\u00e4chlichen Anteil an dieser Misere. Wir werden darauf <em>konditioniert<\/em>, nur noch das <em>Schlechte<\/em> zu sehen. Wir h\u00f6ren nur noch Katastrophenmeldungen in jedm\u00f6glichen Facetten. Unser Gehirn steht unter Dauerbeschuss. Doch wir haben es in der Hand. Wir k\u00f6nnen entscheiden, wie weit wir die T\u00fcr \u00f6ffnen, f\u00fcr all diese destruktiven Nachrichten. Wir k\u00f6nnen die T\u00fcr einen <em>Spalt<\/em> breit \u00f6ffnen oder auch gleich ganz raus rei\u00dfen und uns zertrampeln lassen. Ich m\u00f6chte viel mehr <em>Gutes<\/em> h\u00f6ren, doch das ist garnicht so einfach, wie ich festgestellt habe. Ich muss hierf\u00fcr richtig gezielt suchen und mich bewusst auf die Suche danach machen. Doch gef\u00fchlt w\u00fcrde ich sagen, bestehen 95 % der Nachrichten aus miesen, deprimierenden Nachrichten, die mir einh\u00e4mmern, dass die Menschheit einfach nur schlecht ist. Und was es alles gibt. Ich m\u00f6chte mich nicht einfangen lassen. Stattdessen will ich mich fleissig auf die Suche machen, nach guten Nachrichten. Nach hoffnungsvollen Zukunftsszenarien. Ich darf meinem Hirn nicht immer nur die Brechkost vorsetzen. Es braucht einen Gegenpol an Gutem. Und daf\u00fcr lohnt es sich,  mit offenem Blick und g\u00fctigem Herzen auf die Suche zu begeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor drei Tagen war Mittsommer. Tag und Nacht durften an diesem Datum gleich lang existieren. Nun werden die Tage wieder k\u00fcrzer. Ca. 1 min pro Tag. Ich erschrecke, wenn ich mir ernsthaft bewusst mache, dass das Jahr 20 nun fast zur H\u00e4lfte vergangen ist. 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