{"id":138,"date":"2020-04-24T11:56:40","date_gmt":"2020-04-24T09:56:40","guid":{"rendered":"http:\/\/marielosophie.de\/?p=138"},"modified":"2020-04-24T11:56:40","modified_gmt":"2020-04-24T09:56:40","slug":"die-magie-der-rituale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marielosophie.de\/?p=138","title":{"rendered":"Die Magie der Rituale"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Vor l\u00e4ngerer Zeit hatte ich mir die Idee zu diesem Text schon gespeichert: <em>Die Magie der Rituale.<\/em> Jetzt &#8211; einige Monate sp\u00e4ter &#8211; und mit <em>Corona<\/em> in eine andere Welt katapultiert, f\u00e4llt mir dieser Titel wieder ins Auge. Auf der Suche nach Gedanken, die nichts mit Corona zu tun haben, laufen mir die <em>Rituale<\/em> \u00fcber den Gedankenweg. Rituale also: Warum nicht? Wenn Rituale einen aktuellen Bezug haben, dann wohl besonders <em>jetzt<\/em>. Warum sind Rituale so wichtig? Warum sind Rituale gleichzeitig so unpopul\u00e4r? Sie wirken oft angestaubt und r\u00fcckst\u00e4ndig, so unflexibel und auch teilweise st\u00f6rrisch. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber Rituale sind oft wichtiger, als ihr etwas ambivalenter Ruf vermuten l\u00e4sst. Auch denke ich oft, dass die Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Rituale mit dem Alter zunimmt. Nat\u00fcrlich sind Rituale schon f\u00fcr Kinder wichtig. Sie werden aber in einem anderen Kontext erlebt. Und sie werden oft unbewusst erlebt. Der Erwachsene dagegen muss sich Rituale erst einmal \u00fcberhaupt zugestehen. Gerade in der Pubert\u00e4t und im Erwachsenwerden meidet der Jugendliche und junge Erwachsene, Rituale wie der Teufel das Weihwasser. <\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest war es bei mir in meinen Jahren so. Gerade als junge Erwachsene gab es f\u00fcr mich keine gruseligere Vorstellung, als Rituale. Sie umwehte immer ein Hauch von Moder und Alter, von Unflexibilit\u00e4t und von Starrheit. Damit wollte ich nichts zu tun haben, Damit wollte ich mich nicht identifizieren. Ich war jung, dynamisch und forsch &#8211; also das genaue Gegenteil von unflexibel und starr. Ein Ritual war f\u00fcr mich das Synonym f\u00fcr das <em>alt<\/em> sein. Und jetzt, Jahrzehnte sp\u00e4ter &#8211; jetzt wo die Lebensjahre verstrichen, viel Lebenserfahrung aber hinzugekommen ist, sehe ich in Ritualen etwas ganz anderes:<\/p>\n\n\n\n<p>Rituale helfen uns, durch unruhige Zeiten zu kommen. Unruhigen Zeiten wie wir sie gerade auf der gesamten Welt erleben. Ein Ritual ist wie ein St\u00fcck festen\u00a0 Untergrunds in dem mehr als wackeligen Umfeld. Sie geben uns Stabilit\u00e4t, sie geben uns Halt. Sie verschaffen uns eine Zeit des Innehaltens, des Besinnens. Man k\u00f6nnte sagen, dass Corona uns gerade eine Zeit der <em>Rituale<\/em> verpasst. In dieser Zeit, in der jeder Tag gleich ist- da die Welt still steht &#8211; in dieser Zeit haben wir Gelegenheit, Rituale zu entwickeln oder wieder neu aufleben zu lassen. Wir teilen uns unsere stillstehende Zeit auf: In Aktivit\u00e4ten, die sich jeden Tag \u00e4hneln. Und ohne dass wir es recht bemerken, werden aus diesen Aktivit\u00e4ten Rituale. Und die Rituale ersetzen unser bisheriges Leben. Unser Leben, dass gepr\u00e4gt war von mehr, mehr und noch mehr mehr.<\/p>\n\n\n\n<p> Ich schreibe zwar gerade in der Vergangenheitsform, so als w\u00fcrde es dieses Leben so nicht mehr geben. Das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Denn das Leben <em>nach<\/em> Corona wird ein anderes werden also das Leben <em>vor<\/em> Corona. Auch wenn wir es jetzt noch nicht wahr haben wollen und es noch versuchen zu leugnen. Wir k\u00f6nnen nicht einfach wieder da anschlie\u00dfen wo wir aufgeh\u00f6rt haben. Auch wenn wir uns das noch so sehr w\u00fcnschen. Und ich bin mir auch sicher, dass wir an diese Zeiten zur\u00fcckdenken und uns sagen werden:\u201c es wurde noch viel schlimmer, wenn wir geahnt h\u00e4tten, was noch auf uns zukommt, h\u00e4tten wir die jetzige Zeit wohl noch anders verbracht.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nat\u00fcrlich ist das nur mein Gef\u00fchl. Keiner wei\u00df wirklich, was aus dieser Krise alles erwachsen wird. Im Moment habe ich eher das Gef\u00fchl, dass die einzelnen Bundesl\u00e4nder und die Regierung in Berlin nicht wirklich an einem Strang ziehen. Das wird zum Problem, gerade was die Lockerungen angeht. Ich denke, wir sind zu fr\u00fch um die Maschinerie wieder anzuwerfen. Und offensichtlich sind sich die Damen und Herren untereinander auch uneinig, was das richtige Vorgehen ist. Solange die gesamte Lage so fragil und unsicher ist, desto wichtiger werden mir meine Rituale. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich jetzt dar\u00fcber nachdenke, dann kann ich \u00fcber meine Gedanken in jungen Jahren nur die Augen verdrehen, ob meiner Unwissenheit und einer gewissen Arroganz heraus, so \u00fcber Rituale geurteilt zu haben. Aber es wird mir jetzt bewusst, dass die Betrachtung und Wertsch\u00e4tzung von Ritualen mit zunehmendem Alter an Wichtigkeit und Bedeutung gewinnen. Vielleicht auch deshalb, weil wir uns mit jedem weiteren Tag unserer Endlichkeit n\u00e4hern. Und je mehr Wochen, Monate und Jahre vergehen, desto wichtiger werden mir meine Rituale. Sie geben mir Halt in einer Welt, die vor einem gewaltigen Paradigmenwechsel steht. <\/p>\n\n\n\n<p>Das birgt mehr als nur Unsicherheit. Das gesamte bisherige Fundament scheint mehr als br\u00fcchig, es wackelt und bebt. Und Rituale sind die einzigen Balken, die das ganze noch zusammenhalten. Ich bin froh, dass ich meine Rituale habe. Sie sind wie ein Boot f\u00fcr mich auf st\u00fcrmischer See. Ich wei\u00df, das Boot ist nicht besonders sicher, trotzdem tr\u00e4gt es mich noch durch den Sturm. Und ich hoffe sehr, dass es nicht so bald auseinander bricht. Rituale sind nichts anderes. Sie tragen einen durch unsichere Zeiten, sie geben einem das Gef\u00fchl von Vertrautem und Vertrautes schafft Entspannung. Schafft Zeit, Zeit sich Gedanken zu machen. Denn f\u00fcr unsere Rituale brauchen wir unseren Arbeitsspeicher nicht, wir k\u00f6nnen in den Tagtraum-Modus umschalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Rituale verschaffen uns Ruhe und die M\u00f6glichkeit, klare Gedanken zu fassen. Die Lage zu \u00fcberdenken, zu bewerten vielleicht neu zu bewerten; anders zu bewerten. Sie helfen uns in diesen unsicheren Zeiten, nicht unseren inneren Kompass zu verlieren. Sie geben uns Orientierung und einen Hauch von Normalit\u00e4t, in den Zeiten, in den nichts mehr normal ist. Wir retten uns auf eine Insel. Auf ein St\u00fcck Boden, das noch nicht wackelt und bebt. Rituale. Sie werden oft verkannt und l\u00e4cherlich gemacht. Doch gerade in Zeiten wie diesen, sind Rituale wohl unser bester Helfer in der Not. Denn es ist das Seil, dass uns sichert, solange die Lawine auf uns zurollt. Halten wir doch an diesem Seil fest, es ist ok und es ist \u00fcberhaupt nicht schlimm. Rituale sind mehr, als was sie zu sein scheinen. W\u00fcrdigen wir sie doch ab jetzt mit einem wohlwollenderem Blick, als wir &#8211; ich &#8211; es in der Vergangenheit getan habe. Auch das nennt man wohl Erfahrung und Erkenntnis.<\/p>\n\n\n\n<p><em><span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Eure Marielosophie<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor l\u00e4ngerer Zeit hatte ich mir die Idee zu diesem Text schon gespeichert: Die Magie der Rituale. 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